Wie entsteht eigentlich eine Hausgemeinschaft?

Wir wissen es auch noch nicht genau. Aber Mitte August haben wir uns gemeinsam als Gruppe auf den Weg dorthin gemacht, und das war echt eine tolle Erfahrung.

Neun Personen der Gründungsgruppe haben sich dafür bewusst aus dem Dresdner Stadttrubel zurückgezogen. Von Freitag bis Sonntag ging es raus aus dem Alltag, rein in die Sächsische Schweiz. Wir haben uns als Gruppe noch einmal neu kennengelernt und erste wichtige Bausteine für unseren Eckpunkteplan gefunden. Dieser bildet die Basis für das zukünftige Zusammenleben im WeinBergHaus.

Vom Aktivismus zur Wohngemeinschaft

Viele von uns kennen sich schon länger aus aktivistischen und Ehrenamts-Kreisen, aber nicht als zukünftige Mitbewohner:innen. Deshalb haben wir uns am Freitagabend Zeit genommen, um über Lebensgeschichten, Wünsche und die eigene Motivation für das Projekt zu sprechen. Das Lagerfeuer musste wegen der hohen Waldbrandgefahr leider ausfallen.

Woran wir gearbeitet haben

Neben dem Kennenlernen ging es in einem Workshop um unseren Eckpunkteplan, laut Gemeinschaftskompass eines der zentralen Dokumente jedes Hausprojektes. Bisher haben wir vor allem über den Hauskauf gesprochen, aber deutlich weniger über das, was danach kommt. Umso spannender sich als Gruppe mit den folgenden Fragen zu beschäftigen:
Wie soll das Hausprojekt aussehen, das wir gestalten wollen? Was sind unsere Kernziele für das Zusammenleben? Und wie gehen wir mit gemeinschaftlichem Besitz um – wie viel wird geteilt, wie viel bleibt privat, welche Absprachen braucht es dafür?
Fertig sind wir damit nicht, aber ein tragfähiger Anfang ist gemacht.

In einem weiteren Workshop haben wir uns außerdem konkret dem Nutzungskonzept gewidmet. Hier waren die Themen: Gemeinschaftsräume, Pflege der Gemeinschaft, öffentliche Veranstaltungen und private Rückzugsorte. Allgemeiner Konsens: Uns allen sind klare Absprachen & Zuständigkeiten und ein großer Fokus auf echter Gemeinschaft wichtig.

Zusammenleben, wie wir es uns wünschen

Wie beiläufig hat sich an dem Wochenende bestätigt, dass wir als Gruppe nicht nur gut arbeiten sondern auch gut zusammen leben können: Wir haben uns in Kochteams für Frühstück, Mittag- und Abendessen eingeteilt, sind gemeinsam zur Schrammsteinaussicht gewandert und haben nebenbei viele Gespräch über Persönliches geführt. Es hat einfach harmonisch funktioniert, ein gutes Zeichen für das, was noch vor uns liegt.

Dahinter stehen für uns ein paar grundsätzliche Haltungen: dass unterschiedliche Meinungen und Positionen in der Gruppe Raum bekommen, auch wenn sie nicht die Mehrheit vertreten. Dass Bedürfnisse offen ausgesprochen werden. Dass Kapazitäten rechtzeitig kommuniziert werden, bevor sie überschritten sind. Und dass Konflikte bearbeitet werden können, bevor sie die Gemeinschaft belasten.

Bevor es am Sonntag für die meisten mit dem Rad zurück nach Dresden ging, gab es eine flotte Putzrunde und dann einen langen gemeinsamen Check-out am Sonntag. Wie geht es uns nach dem Wochenende, was lief gut und was nicht, und wie blicken wir in die Zukunft?

Zumindest auf die letzte Frage gibt es Antworten, die wir teilen können:

Fast die gesamte Gruppe sieht sich nach diesem Wochenende klarer denn je als künftige Mitbewohner:innen und will die Organisation und das Miteinander im WeinBergHaus aktiv gestalten und prägen. Wie wir jetzt schon zusammen arbeiten und miteinander umgehen, wird die Maßstäbe für später setzen. Und eins steht auch schon fest: Das nächste Gruppen-Wochenende für den Herbst ist schon geplant.

Ein Dankeschön zum Schluss geht an die Hütte selbst: Sie gehört einigen aus unserer Gruppe gemeinsam, in einer Pachtgemeinschaft – gemeinschaftlich organisiert, ganz wie wir es uns auch fürs WeinBergHaus vorstellen. Vielleicht kein Zufall, dass wir uns dort so schnell zu Hause gefühlt haben.